Heute (Dezember 2002)


Mittlerweile sind mehr als 2 1/2 Jahre vergangen. Bis zum heutigen Tag habe ich die Entscheidung zur Aufrichtungsoperation nicht bereut. Inzwischen ist der "Alltag" wieder eingekehrt, der allerdings doch anders ist als vorher.
Heute ist es so, dass ich auch gerne wieder in die Stadt gehe um einzukaufen und zu bummeln. Ich kann wieder sehen, vor welchem Geschäft ich stehe, wie die Schaufenster gestaltet sind, wer mir entgegen kommt oder auch einfach nur wie all die Menschen aussehen, die da laufen. Vor der OP hatte ich immer Angst, von anderen Menschen angerempelt zu werden, weil ich sie erst sah, wenn sie plötzlich in 4 bis 5 m Abstand vor mir auftauchten. Dann musste ich stehen bleiben und erst einmal feststellen, zu welcher Seite sie denn ausweichen, damit ich zur anderen Seite gehen konnte. Diese Prozedur des Ausweichens und auch das "Nichts- Sehen-Können" war ein ziemlicher Stress. Heute nehme ich wieder mit Spaß am Leben teil.
Der größte Gewinn an Lebensqualität besteht für mich aber darin, das ich meinem Gegenüber beim Gespräch wieder in die Augen sehen kann.
Auch ist es heute wieder möglich stehend ein Glas oder eine Tasse auszutrinken.
Die im Rücken eingebauten Stangen und Schrauben werden für mich immer alltäglicher. Beim Autofahren drehe ich mich mittlerweile wieder soweit es eben geht zur Seite, ohne Angst die Stangen zu verbiegen. Das Heben von Gegenständen bis zu einem bestimmten Gewicht macht mir auch keine Angst mehr.
Aber auch die "negativen Dinge" will ich nicht verschweigen. Es ist mir heute nicht mehr möglich, ohne Hilfsmittel die Socken oder Schuhe anzuziehen. Ein wenig gravierender ist dagegen, dass ich nicht mehr allzu lange sitzen kann. Im Auto zum Beispiel reicht mir eine Stunde. Nach den Mahlzeiten bin ich auch sehr schnell wieder auf den Beinen und lehne mich dann lieber an die Arbeitsplatte, weil es für mich nach wie vor angenehmer ist zu stehen als zu sitzen. Das ideale Sitzmöbel habe ich bis heute noch nicht gefunden.
Diese Sitzprobleme, so denke ich, hängen aber auch mit meinen künstlichen Hüften und der fehlenden Muskulatur an entsprechender Stelle zusammen. Von anderen "Aufgerichteten" und auch in der Klink habe ich jedenfalls noch nichts von gleichen Problemen gehört.
Dennoch sind für mich die Vorteile den "Nebenwirkungen" bei weitem überlegen! Auch ein paar andere "aufgerichtete" Bechterewler haben mir inzwischen geschrieben und sind von der wieder gefundenen Lebensqualität begeistert.